Mitgliederversammlung und Member Talk – 1. Juni 2026 Neuchâtel

Die Mitgliederversammlung 2026 begingen wir am 1. Juni im Musée d'Histoire naturelle Neuchâtel. Kulturvermittlung Schweiz bedankt sich bei allen Mitgliedern für das Vertrauen in den Vorstand und die Geschäftststelle, das Engagement und den regen Austausch. Im anschliessenden Member Talk stellten verschiedene Mitglieder ihre Projekte vor. Im Zentrum stand die Frage: Wie kann Kulturvermittlung gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, Inklusion fördern und Räume schaffen, in denen kulturelle Vielfalt und Partizipation nicht nur sichtbar, sondern aktiv gelebt wird? Zu den Projekten und Fotos

MEMBER TALK 1. Juni 2026

Kulturelle Vielfalt ist ein Spiegel unserer Gesellschaft – und ihre Förderung eine gemeinsame Verantwortung. 

Die vorgestellten Projekte und Herangehensweisen zeigen, wie Kulturvermittlung aktiv dazu beitragen kann, dass alle Mitglieder unserer Gesellschaft mitgedacht und Möglichkeiten für Teilhabe geschaffen werden: von älteren Menschen in Neuchâtel über postmigrantische Perspektiven im Migros Museum für Gegenwartskunst, Menschen mit Behinderung oder prekären Lebensverhältnissen im Forum Inklusion der Stiftung TON SUR TON, die Entwicklung einer Museumstherapie der Stadt Genf, gehörlose und schwerhörige Menschen am Théâtre de Vidy bis hin zu Kindern und Jugendlichen in Partnerschulen des Programms Kulturagent.innen Schweiz. 

Werkzeuge wie «PARCOURS P» verdeutlichen zudem, wie partizipative Kulturprojekte systematisch geplant, umgesetzt und begleitet werden können, um echte Mitgestaltung zu ermöglichen und Vielfalt strukturell zu verankern.

Die Veranstaltung lädt ein, von diesen Beispielen und ihren Erfahrungen zu lernen und zu folgenden Fragen diskutieren: Wie kann Kulturvermittlung gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, Inklusion fördern und Räume schaffen, in denen kulturelle Vielfalt und Partizipation nicht nur sichtbar, sondern aktiv gelebt wird?

 

Stiftung Clos Brochet, Neuchâtel: « Zugang zur Kultur für ältere Menschen im Foyer de Jour Les Cerisiers»
Véronique Eggimann, Kulturvermittlerin und verantwortlich für die «Tagesstätte les Cerisiers»

Ältere Menschen sind in den Angeboten der Kulturvermittlung oft unterrepräsentiert – obwohl gerade sie, angesichts schwindender Netzwerke und Zugangshürden, ein wertvolles Publikum darstellen. Die Tagesstätte Les Cerisiers in Neuenburg setzt genau hier an: Mit kreativen Vermittlungsaktionen fördert sie das Bewusstsein für Kultur, stärkt den Kontakt zur Kunst und öffnet neue Wege zur Teilhabe. Praktische Beispiele und Erfahrungen zeigen, wie kulturelle Teilhabe älterer Menschen gelingen kann – und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind. Unterlagen zum Projekt

 

Aina Rea Aliotta. Zürich: «Erinnerungsarbeit als künstlerischer Forschungsansatz»
Künstler:in und Vermittler:in

Zehn Jahre nach der Durchsetzungsinitiative gewinnt Erinnerungsarbeit neue Relevanz. Das Projekt «Erinnerungsarbeit als künstlerischer Forschungsansatz» von Aina Rea Aliotta verbindet künstlerische Recherche mit antidiskriminatorischer Vermittlungsarbeit und reagiert auf die plurale Realität der Schweiz. Erfahrungen aus Schulklassen zeigen die Vielfalt an Sprachen und Identitäten, die den Alltag prägen. Der Member Talk beleuchtet, wie Vermittlung diese postmigrantische Vielfalt sichtbar machen, aus ihr lernen und dominante Narrative kritisch hinterfragen kann.

 

Stiftung TON SUR TON, Kanton Neuenburg: «Forum Inklusion»
Christophe Studer. Generaldirektion Stiftung Ton Sur Ton und Michael Wenger, Forum inclusion

Das Forum Inklusion ist die zentrale Anlaufstelle des Kantons Neuenburg für inklusive Kultur. Als Koordinatorin des Netzwerks und Dienstleisterin – insbesondere für die nationale Veranstaltung La Chaux-de-Fonds, Kulturhauptstadt der Schweiz – fördert es den Dialog, den Austausch von Kompetenzen und den Zugang zur Kultur für alle. Das Forum Inklusion ist einer der Haupttätigkeitsbereiche der Stiftung Ton sur Ton und ist ein Ort der Begegnung, der Teilhabe und der kulturellen Vielfalt: von Musik, Tanz und Theater bis hin zu Projekten, an denen Menschen mit Behinderung, mit Migrationshintergrund oder in prekären Lebensverhältnissen aktiv beteiligt sind.

 

Théâtre de Vidy, Lausanne: «Ein Zugänglichkeitsprojekt für gehörlose und schwerhörige Menschen rund um «Mon frère » 
Manon Randin, Kulturvermittlerin 

Im Rahmen des Stücks „Mon frère” von François Gremaud (28. Mai bis 5. Juni), das vollständig in französischer Gebärdensprache (LSF) aufgeführt wird, bietet das Théâtre de Vidy verschiedene Vermittlungsaktionen an: einen Brunch zur Entdeckung der Gehörlosenkultur, eine Einführung in die LSF und das Lippenlesen, eine Führung durch das Theater in LSF sowie eine übersetztes Bord Plateau, eine Begegnung zwischen Publikum und Künstler:innen. Diese Aktionen wurden gemeinsam mit mehreren Verbänden von Selbstvertreter :innen und Expert:innen entwickelt (S5, MUSEN und Ecoute Voir). Unterlagen zum Projekt

 

Stadt Genf: «Entwicklung der Museumstherapie»
Félicien Mazzola, Direktionsassistent für die Museen der Stadt Genf

Seit über einem Jahr entwickelt die Stadt Genf innovative Projekte, die Kunst und Gesundheit verbinden – in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitswesen, den Universitätskliniken Genf und Ärztenetzwerken. Daraus entsteht nun eine gemeinsame Plattform der Genfer Museen und Gesundheitsinstitutionen. Ihre Arbeit konzentriert sich auf fünf Schwerpunkte: Ausbildung in Museumstherapie, Zusammenarbeit zwischen Kultur- und Gesundheitseinrichtungen, strukturierte Evaluation, verstärkte Förderung des Ansatzes und gesicherte Finanzierung. Diese Initiativen hinterfragen nicht nur die Rollen der beteiligten Institutionen, sondern auch die Ausbildung und Begleitung des Vermittlungspersonals in anspruchsvollen Situationen, etwa in der Palliativpflege. Unterlagen zum Projekt

 

Kulturvermittlung Schweiz: Programm Kulturagent.innen mit dem Projekt «Geschichten (aus)malen und Bilder erzählen»
Laura Lanfranchi, Kulturagentin im Kanton Bern

Asti im Zauberwald ist eine Geschichte, die von der ganzen Primarschule Kirchlindach in Bern gemeinsam erzählt wurde. Im Zentrum des klassenübergreifenden Projekts stand die Stärkung der Schulgemeinschaft durch die partizipative Gestaltung von Begegnungszonen. In Zusammenarbeit mit der Illustratorin und Comiczeichnerin Anda Furrer experimentierten die Schüler:innen mit verschiedenen Techniken, entwickelten ihre eigene Geschichte und setzten diese schliesslich in einem grossen Wandbild um. Was bleibt, sind bunte Bilder auf dem Pausenplatz und verbindende Geschichten aus einem kollektiven Prozess.

 

Kulturvermittlung Schweiz, Zürich: «PARCOURS P»
Tiina Huber, Geschäftsleiterin Kulturvermittlung Schweiz

PARCOURS P ist ein Kartenset zur Planung, Umsetzung und Reflexion partizipativer Prozesse und Projekte und lädt zum Dialog ein. ES führt in vier Phasen durch zentrale Fragen partizipativer Projektarbeit und regt den Austauch darüber an, worauf des wirklich ankommt – von der Idee bis zur Evaluation.

Es richtet sich sowohl an Kulturvermittler:innen und Personen, die partizipative Projekte verantworten, als auch an ganze Teams, die partizipativ arbeiten. PARCOURS P kann zudem im Gespräch und zur besseren Verständigung zwischen Praktiker:innen, Förderstellen sowie Vertreter:innen der Kulturpolitik wertvolle Dienste leisten.  

Fotos © Rebecca Frey